Humanitäre Krise in Syrien. Wieso lenken pro-palästinensische Aktivisten auf der „Estelle“ die Aufmerksamkeit auf Israel?

Unter der Überschrift „Es gibt keine humanitäre Krise in Gaza, sondern in Syrien“ schreibt das Magazin „Israel heute“ (E-Datum: 22. Oktober 2012):
„Am Wochenende hat Israel ein Segelschiff propalästinensischer Aktivisten an der Mittelmeerküste vor Israel gestoppt. Soldaten der israelischen Marine haben die Kontrolle über das schwedische Schiff Estelle übernommen, das versucht hatte, die Sicherheitsblockade zu durchbrechen.

Die 27-köpfige Besatzung, darunter drei Israelis, leistete keinen Widerstand. Das Schiff wurde in den naheliegenden israelischen Hafen Aschdod gebracht.

Vor zwei Wochen hatte die Estelle den Hafen von Neapel verlassen. Entgegen der anfänglichen Behauptungen der Aktivisten wurden an Bord keine Hilfsgüter für die palästinensische Bevölkerung im Gazastreifen gefunden.

Im israelischen Fernsehen lobte der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu den Einsatz der israelischen Streitkräfte und betonte wiederholt, der Gazastreifen befinde sich nicht in einer humanitären Krise.

Vor wenigen Wochen hatte dies sogar einer der führenden Hamasmitglieder im Gazastreifen, Mahmoud Al Zahar, zugegeben, als er öffentlich erklärte, der Gazastreifen befinde sich nicht mehr unter fremder Besatzung.

„Wenn es den Aktivisten wirklich um Menschenrechte ginge, wäre das schwedische Schiff nach Syrien unterwegs und nicht in den Gazastreifen“, fügte Netanjahu hinzu. „Aber ihr einziges Interesse war, Israels Namen vor der Weltöffentlichkeit schlecht zu machen!“

In Syrien werden seit Ausbruch der blutigen Aufstände vor über 19 Monaten über 30.000 Tote gezählt und kein Schiff aus Europa hat sich auf den Weg nach Syrien gemacht.

Gemäß der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem sind seit Ausbruch der Zweiten Intifada vor 12 Jahren 7500 Palästinenser (inklusive Selbstmordattentäter und bewaffnete Palästinenser) durch israelische Streitkräfte ums Leben gekommen, davon 4789 Palästinenser im Gazastreifen bis zur israelischen Gaza-Operation Gegossenes Blei (26. Dezember 2008), 1397 während der dreiwöchigen Operation und 305 seitdem bis September 2012.

Dabei befindet sich Israel im Kriegszustand mit den Palästinensern und wird fast täglich aus dem Gazastreifen mit Raketen beschossen.“