Angriffe auf Christen in Vietnam haben sich vervielfacht

(Open Doors, Kelkheim) – Bei einem Überfall im Nordwesten Vietnams wurden am 1. März 2018 vier christliche Familien tätlich angegriffen. Vier Personen mussten daraufhin für acht Tage in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Zuvor hatten Dorfälteste ihnen mit der Vertreibung gedroht, falls sie den christlichen Glauben beibehalten sollten.

Ortsvorsteher führt Mob gegen Christen an

Die 24 Mitglieder der betroffenen Familien gehören zum Volk der Hmong und haben sich erst vor kurzer Zeit dazu entschieden, Christen zu werden. Nach ihrem Glaubenswechsel rieten ihnen Informationen von World Watch Monitor zufolge zunächst Mitarbeiter der Provinzbehörde dazu, ihre Entscheidung zurückzunehmen. Später kam es mehrfach zu Drohungen sowohl durch Dorfbewohner und Dorfälteste als auch durch Vertreter der Provinzregierung. Der Überfall wurde durch einen Mob unter Führung des Ortsvorstehers ausgeführt. Die Christen erlitten teilweise erhebliche Verletzungen am Kopf und verschiedenen Gliedmaßen. Mittlerweile setzt sich der zuständige Pastor bei den Behörden für die Familien ein.

40% der Hmong sind Christen

Dem Volk der Hmong gehören allein in Vietnam ca. eine Million Menschen an, darunter sind etwa 400.000 Christen. Dieser Anteil liegt deutlich über dem Prozentsatz von Christen an der Gesamtbevölkerung. Der Politikwissenschaftler Seb Rumsby spricht im Blick auf die Hmong von einer „bemerkenswerten religiösen Transformation … in den vergangenen drei Jahrzehnten.“ Die Angehörigen dieser Volksgruppe leben überwiegend in den nördlichen und nordwestlichen Teilen Vietnams. Der jüngste Angriff ist Ausdruck einer wachsenden Diskriminierung, die Christen und andere Minderheiten in diesen Landesteilen erleben. Dazu passt auch das am 1. Januar 2018 in Kraft getretene „Gesetz zu Religion und Glaube“.

Anlässlich des Überfalls am 1. März 2018 hat das in Paris ansässige „Vietnamesische Komitee für Menschenrechte“ (VCHR) seine „tiefe Sorge“ ausgedrückt. Das VCHR beklagt, Angriffe auf religiöse Gemeinschaften in Vietnam hätten sich vervielfacht. „Religiöse Verfolgung ist ein wachsendes Phänomen“, so VCHR-Präsident Vo Van Ai. „Vietnam geht gegen Gläubige vor, die lediglich in Frieden leben möchten. Bereits dieser Wunsch gilt für die Behörden als Verbrechen.“

Nach Angaben der katholischen Nachrichtenagentur UCAN erhalten Hmong-Christen keine Genehmigung zum Bau von Versammlungshäusern, in einigen Gebieten werden ihnen selbst Gebetstreffen untersagt.

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors rangiert Vietnam aktuell auf Platz 18 (Vorjahr: 17) unter den Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Quellen: World Watch Monitor, Open Doors

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