Syrien: Bomben zur Hauptverkehrszeit – eine Familie fast ausgelöscht

(Open Doors, Kelkheim) – Am vergangenen Freitag um 18:30 Uhr Ortszeit verübten syrische Rebellen einen Angriff auf die Kleinstadt Mhardeh im Nordwesten des Landes. Dabei verloren zwölf Menschen ihr Leben. Die überwiegend von Christen bewohnte Stadt weist eine der höchsten Bevölkerungsdichten in ganz Syrien auf. Wegen des Bürgerkrieges haben Tausende dort Zuflucht gesucht.

Kampf um Idlib als Auslöser?

Der Angriff erfolgte während der Hauptverkehrszeit, als auch zahlreiche Kinder draußen spielten. Fünf der Opfer sind unter 15 Jahre alt. Drei von ihnen stammen aus derselben Familie, auch ihre Mutter und Großmutter kamen bei dem Angriff ums Leben; der Vater liegt im Krankenhaus.

Die Dörfer rund um Mhardeh sind in der Hand von Rebellen. Bereits im vergangenen Jahr kam es zu einem massiven Angriff auf die Stadt, bei dem die Aufständischen versuchten, die dort stationierten Regierungstruppen zu vertreiben und Mhardeh unter ihre Kontrolle zu bringen. Die in London ansässige „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ bestätigte den jüngsten Angriff und brachte ihn in Zusammenhang mit der gegenwärtigen Offensive des syrischen Regimes auf die Stadt Idlib.

Nur noch eine Handvoll Christen im Osten – Gefahr auch in anderen Regionen

Der jüngste Angriff in Mhardeh illustriert die latente Gefahr, die Christen bis heute auch in vergleichsweise sicheren Regionen droht: Da die meisten sich seit Beginn der Proteste gegen das Assad-Regime neutral verhalten, gelten sie aus Sicht der Rebellen als Unterstützer der Regierung. Aufgrund des Bürgerkrieges und der gezielten Verfolgung von Christen haben hunderttausende von ihnen in den letzten Jahren das Land verlassen. Dies gilt besonders für den Nordosten Syriens. Im Gebiet entlang des Flusses Khabur lebten ehemals 10.000 assyrische Christen, heute sind es noch 900, wie ein Vertreter der assyrischen Kirche im August der New York Times erklärte. Viele der islamisch-extremistischen Rebellen haben immer wieder betont, alle „Ungläubigen“ aus dem Land vertreiben zu wollen.

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors rangiert Syrien aktuell an 15. Stelle unter den Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

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