Wie geht es mit den Christen in China weiter?

(Open Doors, Kelkheim) – In China könnten die Tage der Entspannung für christliche Gemeinden gezählt sein. Nach der Einführung einer neuen Religionsverordnung am 1. Februar 2018 und tiefgreifenden politischen Entwicklungen wie der Aufhebung jeglicher Begrenzung für die Amtszeit des Präsidenten zeigen sich viele Beobachter besorgt. Andere verweisen auf das Wachstum der Gemeinde trotz teilweise härtester Verfolgung in der Vergangenheit.

Entfernung von Kreuzen

Pastor John (Name aus SIcherheitsgründen geändert) aus der Provinz Zhejiang sagt: „Meine Großeltern wurden hingerichtet, weil sie Christen waren; ich bin stolz darauf, Teil der vierten Generation von Christen in meiner Familie zu sein. Sie werden uns nie davon abhalten zu glauben – wir haben in der Vergangenheit Druck und Verfolgung erlebt – wir sind darauf vorbereitet. Die Behörden luden mich ‚zum Tee‘ ein – ich verbrachte 13 Stunden auf der Polizeiwache und trank 27 Tassen Wasser. 2015 haben sie versucht, mich dazu zu bringen, das Kreuz meiner Kirche abzunehmen. Ich habe ihnen gesagt, dass ich das nicht wagen würde, aber sie könnten es abreißen. Sie sollten vorsichtig sein, weil die Arbeit dort hoch oben gefährlich sei. Ich versprach ihnen, wir würden für sie beten, falls es einen Unfall geben sollte. Die ganze Kirche betete. Kurz bevor sie kamen, gab es eine Explosion, so dass sie es an diesem Tag nicht abreißen konnten. Das nächste Mal kamen sie mit einem Hubsteiger, um das Kreuz zu entfernen, aber die Maschine hatte einen Defekt. Danach gaben sie auf. Ich mache mir keine Sorgen um die Zukunft.“

Abwarten, was passiert

Pastor Adam (Name aus SIcherheitsgründen geändert) aus Peking sagte Open Doors, dass er bereits Anzeichen für eine mögliche Intensivierung der Verfolgung wahrnimmt. Er unterrichtet in einem nicht registrierten Seminar etwa 50 künftige Leiter von Hausgemeinden, die sich ohne Genehmigung versammeln. Die Behörden dulden bislang solche Kirchen, solange sie keine Aufmerksamkeit erregen. Pastor Adam erklärt: „Die Studenten sind bereits in drei Gruppen aufgeteilt. Meine Gemeinde wartet ab, was passiert. In der Zwischenzeit schulen wir mehr Kleingruppenleiter, so dass wir bereit sind, wenn wir uns weiter aufteilen müssen.“ Pastor James (Name aus Sicherheitsgründen geändert) hat bereits vor fünf Jahren damit begonnen, seine Gemeinde in Kleingruppen aufzuteilen, um sie auf eine mögliche Verschlechterung der Lage vorzubereiten.

Großer Bedarf an Schulungen

Andere halten die neuen Vorschriften für das geringste ihrer Probleme. Pastor Mark (Name aus Sicherheitsgründen geändert) merkt an: „Wir in China sind eine sehr junge Kirche, wir sind schnell gewachsen. Wir brauchen mehr biblische Schulungen.“

Open Doors unterstützt chinesische Kirchen bei der Vorbereitung auf eine mögliche Verschärfung ihrer Situation durch biblische Schulungsprogramme in Bereichen wir Jüngerschaft, Haushalterschaft und Vorbereitung auf Verfolgung.

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors rangiert China aktuell auf Platz 43 (Vorjahr: 39) unter den Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Quellen: World Watch Monitor, Open Doors

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