Christen im Sudan: 40 Kirchenmitglieder vor Gericht

(Open Doors, Kelkheim) – Die presbyterianische Kirche im Sudan (SPEC) wird weiter unter Druck gesetzt; im Fokus steht die Bahri Evangelical Church in Omdurman nahe der Hauptstadt Khartum. In der kommenden Woche findet ein Prozess gegen 36 Kirchenmitglieder statt. Gegen vier weitere wurden Anklagen erhoben, die im Zusammenhang mit einer Stürmung des Kirchengeländes durch die Polizei und einen bewaffneten Mob im April 2017 stehen.

Standhaftigkeit kostet Christen einen hohen Preis

Azhari Tambra, Mina Mata, George Adem und Kodi Abdulraheem wurden am 11. April beschuldigt, „der Polizei und den Begleitern eines muslimischen Geschäftsmannes körperlichen Schaden zugefügt zu haben“, als die Polizei und ein bewaffneter Mob im April 2017 das Kirchengelände angriffen. Ihre nächste Anhörung findet am Montag, dem 23. April 2018, statt. 36 weitere Mitglieder der Kirche müssen am Donnerstag, dem 26. April, vor Gericht erscheinen, Gründe für die Anklage sind bislang nicht bekannt.

Im Rahmen der „Razzia“ waren einige Personen in das Privathaus von Azhari Tambra eingedrungen und hatten große Teile seines Eigentums zerstört. Da er selbst abwesend war, inhaftierte die Polizei seine Frau und ihre drei kleinen Kinder und hielt sie für 12 Stunden fest. Wenige Wochen zuvor waren zwei Kirchenmitglieder mit Messerstichen schwer verletzt worden, als sie an einer friedlichen Protestkundgebung teilnahmen. Anlass der Kundgebung war der Versuch der Regierung, die kircheneigene Schule zu verstaatlichen. Einer der beiden Verletzten, Younan Abdullah, gehörte zur Kirchenleitung der Bahri Evangelical Church und erlag kurz darauf seinen Verletzungen.

Islamisierung von der Regierung angekündigt

Seit Jahren übt die Regierung des Sudan Druck auf die Bahri Evangelical Church aus, das Kirchengelände zu veräußern. Dort befinden sich neben der Kirche Häuser und Büros sowie eine Schule. Im Jahr 2013 setzte das „Ministerium für Beratung und Stiftungswesen“ entgegen der herrschenden Rechtslage ein Kirchenkomitee unter dem Dach der SPEC ein, das seitdem in Konkurrenz zur gewählten Kirchenleitung steht. Leitende Kirchenmitarbeiter monieren, dass dieser Ausschuss sich in kircheninterne Angelegenheiten eingemischt habe und am Verkauf von Immobilien an Investoren beteiligt sei.

Seit der Abspaltung des Südsudan im Jahr 2011 wurden im Sudan viele Kirchengebäude zerstört, zuletzt am 11. Februar 2018 die Haj-Yousif-Kirche in einem Vorort Khartums; weitere stehen auf einer offiziellen Liste von Kirchen, die abgerissen werden sollen.

Daniel Hoffmann, Geschäftsführer von Middle East Concern, erinnert an Aussagen der Regierung in Khartum vor der Unabhängigkeitserklärung des Südsudan 2011: „[Sie] haben gesagt, ‚wenn sich der Süden abspaltet, werden wir die Gesetzgebung und die Praktiken der Regierung im Norden stark islamisieren.‘ Und seitdem wurden die Kirchen tatsächlich verschiedentlich unter Druck gesetzt.“

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors rangiert der Sudan aktuell auf Platz 4 (Vorjahr: 5) unter den Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Quellen: World Watch Monitor, Open Doors

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