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Versammlungsverbot für christliche Gemeinde in Aserbaidschan

(Open Doors) – In Aserbaidschan wurden am vergangenen Montag zwei christliche Leiter zu einer Geldstrafe von umgerechnet mehreren hundert Euro verurteilt, nachdem die Polizei in ihrer Hausgemeinde eine Razzia durchgeführt hatte. Die Behörden verboten den Männern, weitere Treffen abzuhalten; andernfalls drohten „schwerwiegendere Konsequenzen“.

Verhaftung während des Gottesdienstes

Eine Gruppe von 30 Christen hatte sich am Morgen des 27. November in Aliabad, einem Dorf im Süden des Landes, zum Gebet versammelt. Das Treffen fand im Haus eines der Leiter und seiner Frau statt, Gamid und Ginayat Shabanov. Der Gottesdienst wurde abrupt unterbrochen, als plötzlich ein Dutzend Polizisten in den Raum traten und die Versammlung für illegal erklärten. Sie befragten alle Anwesenden, nahmen ihre persönlichen Daten auf und registrierten sämtliche christliche Literatur, die sie in dem Haus finden konnten. Dann nahmen sie 26 der Christen mit zur Polizeiwache und hielten sie dort den ganzen Tag fest.

Die meisten durften am Abend wieder nach Hause zurückkehren. Die Shabanovs und ein weiterer Leiter, Mehman Agamemedov, mussten jedoch über Nacht in Haft bleiben, ebenso ein anderes Mitglied der Hausgemeinde. Mehrere nationale Fernsehsender berichteten, die Christen seien wegen „illegaler religiöser Aktivitäten“ und der „Verbreitung illegaler religiöser Lehren“ verhaftet worden. „Das klingt, als wären wir eine Art Sekte“, äußerte Mehman Agamemedov gegenüber einer Kontaktperson von World Watch Monitor.

Strenge Überwachung von Christen

Bei einer Gerichtsverhandlung am 12. Dezember wurden die beiden Kirchenleiter Gamid Shabanov und Mehman Agamemedov zu einer Geldstrafe von jeweils 1.500 aserbaidschanischen Manat (entspricht rund 800 Euro) verurteilt mit der Begründung, ein „illegales“ Gebetstreffen durchgeführt zu haben. Die Christen könnten – jeder für sich – zu Hause beten, aber Versammlungen ohne offizielle Genehmigung seien verboten. Sollten sich die Gemeindemitglieder dem widersetzen, würden sie erneut verhaftet und müssten mit „schwerwiegenderen Konsequenzen“ rechnen. Dies könnte eine längere Gefängnisstrafe bedeuten.

Aserbaidschan belegt aktuell Platz 34 auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors. Auch wenn die Verfassung des Landes offiziell Religionsfreiheit garantiert, leiden die Christen unter vielfältigen Einschränkungen. Die Regierung überwacht die Bevölkerung streng und bedient sich dabei der Kontrollsysteme des vorherigen kommunistischen Regimes. Da die meisten Kirchen von Spionen infiltriert sind, besteht unter den Christen große Angst und Unsicherheit, wem sie vertrauen können. Dass offizielle Vertreter des Staates Aserbaidschan international als „Land der Toleranz“ darzustellen versuchen, mutet angesichts dieser Lebenswirklichkeit befremdlich an. Zusätzlich zu dem Druck vonseiten der Regierung erfahren Christen muslimischer Herkunft Bedrängnis durch ihr soziales Umfeld.

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